Studie: Kernenergie keine wirksame Option für Klimaschutz

vor 28 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de

Bei der Bekämpfung des Klimawandels kann Kernenergie allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen.

Atomkraftwerk (Archiv)
Atomkraftwerk (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Das geht aus einer neuen Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes hervor. Für eine weltweite Transformation der Stromerzeugung mit Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 sind demnach erneuerbare Energien die zentrale Technologie.Für die Studie wurde die Rolle der Kernenergie in globalen Energieszenarien, in nationalen Ausbauplänen sowie mit Blick auf Kosten, Flexibilität, Klimarisiken und Umweltauswirkungen untersucht. Die ausgewerteten Szenarien zeigten, dass erneuerbare Energien der entscheidende Faktor für das Erreichen der Klimaziele sind. Ihr Anteil an der Stromerzeugung steigt in den Szenarien bis 2050 auf 70 bis 100 Prozent. Die Rolle der Kernenergie bleibe dagegen begrenzt: Ihr Anteil liege im Jahr 2050 je nach Szenario zwischen null und neun Prozent. Selbst ambitionierte nationale Ausbaupläne führen laut Studie nicht zu einer globalen "Renaissance" der Kernenergie."Neue Kernkraftwerke sind teuer, ihre Inbetriebnahme dauert sehr lange und sie passen nur schlecht in ein Energiesystem, das künftig stark von Wind- und Solarenergie geprägt sein wird", sagte Christoph Pistner, Leiter des Bereichs Nukleartechnik und Anlagensicherheit am Öko-Institut. Die Klimadebatte brauche realistische Optionen.

"Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss vor allem auf Technologien setzen, die schnell verfügbar, bezahlbar und in einem erneuerbaren Stromsystem gut integrierbar sind."Neue Kernkraftwerke weisen deutlich höhere Stromgestehungskosten - also Kosten für die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom über die gesamte Lebensdauer einer Anlage - als erneuerbare Energien auf. So liegen die Kosten der Kernenergie in Europa für das Jahr 2020 bei 15 bis rund 19 Cent pro Kilowattstunde und sind damit wesentlich höher als die Durchschnittswerte für die Erzeugung von Photovoltaik oder Windenergie an Land. Für das Jahr 2030 erwartet die Studie bei neuen Kernkraftwerken sogar weiter steigende Kosten, für Windenergie an Land und Photovoltaik werden dagegen deutlich niedrigere globale Durchschnittswerte erwartet.Auch zur Vermeidung von Treibhausgasen ist Kernenergie im Vergleich zu erneuerbaren Energien eine teure Option. Während erneuerbare Energien bereits heute und auch perspektivisch kostengünstige Möglichkeiten zur Emissionsminderung bieten, bleiben neue Kernkraftwerke aufgrund hoher Kapitalkosten, langer Bauzeiten und erheblicher finanzieller Risiken eine kostenintensive Vermeidungsoption.Hinzu kommt, dass Kernenergie laut Öko-Institut für ein zukünftiges Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien nur begrenzt geeignet ist. Wind- und Solarenergie erzeugen Strom abhängig von Wetterbedingungen und Tageszeit. Das künftige Energiesystem brauche daher flexible Anlagen, die diese Schwankungen ausgleichen können.

Konventionelle Kernkraftwerke sind aufgrund ihrer Größe, technischen Eigenschaften und wirtschaftlichen Anforderungen auf hohe Auslastung angewiesen.

Ein flexibler Betrieb würde ihre ohnehin hohen Stromerzeugungskosten weiter erhöhen.Die Studienautoren untersuchten außerdem, ob das Ziel einiger Staaten, die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen, realistisch ist. Eine solche Verdreifachung würde eine Netto-Stromkapazität von 1.160 Gigawatt bis 2050 erfordern. Dafür müssten über 25 Jahre hinweg im Durchschnitt jedes Jahr neue Kapazitäten in der Größenordnung des historischen Maximums von circa 30 Gigawatt ans Netz gehen.

Demgegenüber wurden in den letzten über 30 Jahren typischerweise weniger als zehn Gigawatt neu in Betrieb genommen.

Das zeige, dass eine Verdreifachung bis 2050 unrealistisch sei."Unser Fazit: Neue Kernkraftwerke sind zu teuer und stünden zu spät bereit, um einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der bestehenden Klimaziele zu leisten", so Pistner. "Erneuerbare Energien bleiben damit die zentrale Säule eines klimaneutralen Stromsystems."

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