Söder verlangt von EU-Kommission grundlegende Wende beim Verbrenner-Aus

30.08.26 12:44 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine Studie der Technischen Universität München zur Klimabilanz von Autos in der EU löst neuen Streit um das geplante Verbrenner-Aus aus. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Branchenvertreter fordern von Brüssel mehr Technologieoffenheit und ein Ende starrer Vorgaben.

E-Auto Ladestation (Archiv)
E-Auto Ladestation (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Eine neue Studie der Technischen Universität München zur Klimabilanz von Autos in der Europäischen Union sorgt für neuen politischen Streit um das geplante weitgehende Aus für Verbrennungsmotoren.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder fordert von Brüssel ein „echtes Aus vom Verbrenner-Aus der EU“ und beruft sich dabei ausdrücklich auf die Ergebnisse der Untersuchung.Söder sieht EU-Klimastrategie auf falschem KursSöder erklärte, es brauche „dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU“ und diese Forderung werde nun auch durch die Wissenschaft gestützt. Die TU München stellt am Dienstag eine Studie mit dem Titel „Defossilisation statt Dekarbonisation“ vor, aus der bereits vorab zitiert wurde. Demnach reduzieren Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern die CO2-Belastung im Durchschnitt nur um 41 Prozent.Für diese Bilanz berücksichtigt die Studie Emissionen, die bei der Rohstoffbeschaffung, der Produktion, im laufenden Betrieb und beim Recycling von Elektrofahrzeugen entstehen.

TUM-Präsident Thomas Hofmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „Fehlsteuerung“ der europäischen Klimastrategie.Forderung nach Technologieoffenheit und Entlastung der IndustrieFür Söder ist die Studie ein deutlicher Hinweis an die europäischen Institutionen. Er bezeichnet die TU München als „beste Uni Europas“ und fordert, dass die EU diesen Rat annehme und „nach Fakten statt nach Ideologie“ entscheide. Starre Verbote hält er für ineffektiv und plädiert für einen Ansatz, der auf Technologieoffenheit setzt.Europa brauche das Auto, betont der CSU-Politiker. Es gebe zwar eine Transformation, diese solle aber „besser durch Technologieoffenheit statt durch Verbote“ gestaltet werden.

Neben der Elektromobilität habe nach seiner Auffassung auch der „Hightech-Verbrenner“ eine Zukunft, was sowohl der Ökonomie als auch der Ökologie nützen solle, ohne sie gegeneinander auszuspielen.Warnung vor Wettbewerbsnachteilen im globalen MarktSöder verweist zudem auf den harten globalen Konkurrenzkampf in der Autoindustrie. Aus seiner Sicht darf Europa seine wichtigste Industrie nicht weiter selbst schwächen, da das Auto sich in einem extrem intensiven internationalen Wettbewerb behaupten müsse. Diese Realität müsse, so Söder, auch bei der EU-Kommission und im Europäischen Parlament ankommen.Er fordert von den europäischen Institutionen ein klares Signal: „Ja zum Auto“. Zu einer „echten“ Verbrenner-Wende zählt Söder neben einer generellen Neubewertung des Verbrenners auch das Aussetzen von Flottengrenzwerten, Strafzahlungen für Pkw, Lkw und Nutzfahrzeuge sowie von starren Quoten für Elektroautos.Automobilverband drängt auf breiten TechnologiemixUnterstützung erhält Söder aus der Branche. VDA-Präsidentin Hildegard Müller appelliert ebenfalls an Brüssel, sich auf dem Weg zur Klimaneutralität anderen Technologien zu öffnen.

Sie betont, jede Technologie könne ihren Beitrag für einen klimafreundlichen Verkehr leisten und verweist auf die Arbeiten der Industrie an unterschiedlichen Lösungen für unterschiedliche Herausforderungen.Müller sieht die deutsche Autoindustrie auch im Bereich der Kreislaufwirtschaft als weltweit führend. Entscheidend sei nach ihren Worten, dass Brüssel anerkenne, dass ein breiter Technologiemix auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität zielführend sei – und nicht die Festlegung auf eine einzige Option.CDU/CSU im EU-Parlament fühlt sich bestätigtAuch aus der Europäischen Volkspartei kommt Unterstützung für die Kritik an der bisherigen Regulierung.

Jens Gieseke, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, sieht die TUM-Studie als Bestätigung der eigenen Linie. E-Autos als „0-Emissionsfahrzeuge“ zu werten, bezeichnet er als ideologischen Irrweg von Kommissionsvize Frans Timmermans und dessen Umfeld.Gieseke verweist darauf, dass die eigene Gruppe stets für eine Berechnung der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus und gegen eine reine Auspuffmethode eingetreten sei.

Mit der Studie gebe es aus seiner Sicht nun die „einmalige Chance, den Fehler zu korrigieren“ und die europäische Regulierung entsprechend anzupassen.Bitte empfehlen Sie diesen Artikel auch Freunden und Bekannten weiter.
Die dts-Meldung beschreibt eine politisch brisante Debatte um das in der Europäischen Union beschlossene Aus für neue Pkw mit klassischem Verbrennungsmotor ab Mitte der 2030er Jahre. Vor diesem Hintergrund nutzt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine neue Studie der Technischen Universität München, um grundsätzliche Änderungen an der europäischen Regulierung zu verlangen.

Zentral ist dabei die Frage, wie die Klimabilanz von Fahrzeugen berechnet wird – ob nur am Auspuff oder über den gesamten Lebenszyklus inklusive Produktion und Recycling.Politische Frontlinien und industriepolitischer KontextSöders Forderungen fügen sich in eine länger laufende Auseinandersetzung zwischen Teilen der deutschen und europäischen Politik, die auf Technologieoffenheit setzen, und den Befürwortern eines klaren Fokus auf Elektromobilität. Dass er sich ausdrücklich auf die TU München beruft, soll seiner Argumentation zusätzliche wissenschaftliche Autorität verleihen.

Zugleich warnt er vor Nachteilen im globalen Wettbewerb, wenn die europäische Automobilindustrie durch strengere Regeln gegenüber anderen Regionen ins Hintertreffen gerät.Die in der Meldung genannten Punkte – Aussetzen von Flottengrenzwerten, Strafzahlungen und starren E-Auto-Quoten – betreffen zentrale Instrumente der EU-Klimapolitik im Verkehrssektor. Sie sind für Hersteller und Zulieferer wirtschaftlich hoch relevant, weil sie Investitionsentscheidungen, Modellpaletten und Produktionsstandorte unmittelbar beeinflussen.

Wenn Spitzenvertreter der Autoindustrie wie die VDA-Präsidentin Hildegard Müller mehr Offenheit für verschiedene Technologien verlangen, zeigt das, dass die Unternehmen einerseits Klimaziele anerkennen, andererseits aber flexible Wege dorthin wünschen.Bedeutung für Verbraucher und KlimapolitikFür Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Debatte entscheidend, weil sie darüber mitbestimmt, welche Antriebsarten in den kommenden Jahren verfügbar sein werden und welche Kosten etwa durch CO2-Regulierung, Flottengrenzwerte oder mögliche Strafzahlungen indirekt auf sie zukommen.

Die Betonung der Lebenszyklusperspektive bei der CO2-Bilanz kann dazu führen, dass neben Elektroautos auch andere Lösungen wie synthetische Kraftstoffe oder hocheffiziente Verbrenner neu bewertet werden.

Gleichzeitig zeigen die Wortmeldungen aus Politik und Industrie, dass Klimaschutz und Industriepolitik im Verkehrssektor eng miteinander verwoben sind und Entscheidungen in Brüssel unmittelbare Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Standortfragen in Deutschland haben.

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