Linke Sachsen-Anhalt verweigert Sondierungen mit der AfD komplett

09.09.26 13:51 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Linke in Sachsen-Anhalt verweigert nach der Landtagswahl jede Sondierung mit der AfD und begründet dies mit grundlegenden Differenzen in der Menschenbild- und Gesellschaftspolitik. Damit verschärft sich die ohnehin schwierige Suche nach einer Regierungsmehrheit im Magdeburger Landtag.

Linke-Wahlparty am 06.09.2026
Linke-Wahlparty am 06.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

Die Linke in Sachsen-Anhalt hat Sondierungsgespräche mit der AfD offiziell abgelehnt. Die Partei reagiert damit auf eine Einladung der AfD Sachsen-Anhalt, nach der Landtagswahl mit allen im Landtag vertretenen Parteien Sondierungen zu führen.Linke-Landeschefs begründen AbsageDie Landesvorsitzenden Janina Böttger und Hendrik Lange teilten in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung mit, dass es mit der AfD keine Gesprächsbasis gebe. Begründet wird dies damit, dass die AfD Menschen nach Herkunft, vermeintlicher Zugehörigkeit und Überzeugung aussortiere. Eine Partei mit einem solchen Menschenbild sei für die Linke kein Partner für Gespräche über eine Regierungsbildung oder politische Zusammenarbeit.Nach Darstellung der Linken wolle die AfD Positionen normalisieren, die die Gleichwertigkeit aller Menschen infrage stellten.

Dies stelle aus Sicht der Landesvorsitzenden einen grundlegenden Gegensatz dar. „Genau das ist der unüberbrückbare Unterschied zwischen uns und Ihnen“, heißt es in der Erklärung von Böttger und Lange.AfD lädt alle Parteien zu Sondierungen einDie AfD Sachsen-Anhalt hatte nach der Landtagswahl alle im Landtag vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen eingeladen.

Ziel der Gespräche sollte sein, mögliche Optionen für eine Regierungsbildung zu sondieren.

Die Linke stellt mit ihrer Absage klar, dass sie weder eine Koalition noch andere Formen der Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht zieht.Damit grenzt sich die Linke deutlich von der AfD ab und reiht sich ein in die Gruppe der Parteien, die bereits vor der Wahl eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen hatten.

Die Entscheidung dürfte die Bildung einer stabilen Mehrheit im Landtag zusätzlich erschweren und den Druck auf alternative Modelle der Regierungsbildung erhöhen.
Die klare Absage der Linken in Sachsen-Anhalt an Sondierungsgespräche mit der AfD erfolgt nur wenige Tage nach der Landtagswahl, bei der die AfD zur stärksten Kraft geworden ist. Damit bekräftigt die Partei ihren bereits im Wahlkampf formulierten Anspruch, als konsequente Gegnerin der AfD aufzutreten und jegliche Zusammenarbeit auszuschließen.Politischer Kontext und Fronten im LandtagIm neuen Landtag sitzt die AfD mit deutlich größerer Fraktion vorn, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Daneben sind CDU, SPD, Grüne, Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) vertreten.

Mehrere Parteien, darunter CDU, SPD, Grüne und Linke, hatten bereits vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen und betonen dies nun erneut. Das BSW signalisierte hingegen grundsätzlich Gesprächsbereitschaft in Sachfragen, ohne sich auf eine gemeinsame Regierung festzulegen.Die Entscheidung der Linken, nicht einmal Sondierungsgespräche zu führen, verschärft die Blockadesituation bei der Regierungsbildung.

Ohne Partner bleibt der AfD der Weg zu einer stabilen Mehrheit versperrt. Zugleich erschwert die Fragmentierung des Parteiensystems die Bildung eines alternativen Bündnisses gegen eine AfD-geführte Regierung, weil sich fünf unterschiedliche Parteien auf ein gemeinsames Projekt einigen müssten.Bedeutung für Regierungsbildung und demokratische KulturDie Linke begründet ihr Nein mit inhaltlichen und grundsätzlichen Differenzen: Sie sieht die AfD als Kraft, die Menschen nach Herkunft und vermeintlicher Zugehörigkeit sortiert und den Grundsatz der Gleichwertigkeit aller Menschen infrage stellt. Mit dieser Begründung stellt sie ihre Haltung als Schutz der demokratischen und menschenrechtlichen Grundlagen dar und nicht als taktische Blockade. Für viele Wählerinnen und Wähler verdeutlicht die Absage, dass ein Teil der im Landtag vertretenen Parteien bereit ist, eine mögliche Beteiligung an der Regierung hintenanzustellen, um eine klare Grenze gegenüber der AfD zu ziehen.Wie stabil diese Front bleibt, wird für die politische Entwicklung in Sachsen-Anhalt entscheidend sein. Je länger die Regierungsbildung dauert, desto größer dürfte der Druck wachsen, neue Konstellationen oder Übergangslösungen zu prüfen – etwa Minderheitsregierungen oder überparteiliche Modelle. Die jetzige Haltung der Linken legt jedoch nahe, dass sie dabei keine Form der Machtoption mit der AfD in Betracht zieht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenDeutschlandfunk: „Mögliche politische Optionen für Sachsen-Anhalt" (07.09.2026)Der Beitrag skizziert die Sitzverteilung im neuen Landtag und zeigt, dass die AfD zwar klar vorne liegt, aber auf einen Koalitionspartner angewiesen ist. Alle anderen Parteien werden mit ihrer Ablehnung einer Koalition mit der AfD dargestellt, während das BSW Gespräche nicht grundsätzlich ausschließt. Der Artikel betont damit die schwierige Regierungsbildung und bestätigt die politische Isolation der AfD, setzt aber einen Schwerpunkt auf Rechenspiele und mögliche Koalitionsmodelle.ZDFheute: „Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD liegt klar vor CDU" (07.09.2026)Der Bericht stellt das Wahlergebnis in den Mittelpunkt und beschreibt den deutlichen Vorsprung der AfD sowie die Verluste der CDU und Linken.

Die ablehnende Haltung der etablierten Parteien gegenüber einer Zusammenarbeit mit der AfD wird eingeordnet, ohne einzelne Sondierungseinladungen oder Antworten ausführlich zu thematisieren.

Der Text unterstreicht die politische Brisanz des AfD-Ergebnisses und ordnet die Reaktionen der Parteien als Teil eines breiteren Konflikts um die Regierungsbildung ein.Beide Beiträge zeigen übereinstimmend, dass die AfD trotz Wahlsieg ohne Koalitionspartner bleibt und dass mehrere Parteien eine Kooperation ausschließen.

Während der Deutschlandfunk stärker die möglichen Mehrheitsoptionen beleuchtet, legt ZDFheute den Schwerpunkt auf das Ausmaß des Wahlergebnisses und die grundlegende Abgrenzung der anderen Parteien gegenüber der AfD. Offen bleibt, welche konkrete Regierungsform sich aus den ablehnenden Haltungen der Parteien letztlich entwickeln wird.

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