Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD überholt SPD knapp

20.09.26 18:06 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF knapp vor der regierenden SPD. CDU und FDP drohen ein historisch schwaches Abschneiden, weitere Parteien kämpfen um den Einzug in den Landtag.

SPD-Wahlparty in Schwerin am 20.09.2026
SPD-Wahlparty in Schwerin am 20.09.2026
via dts Nachrichtenagentur

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD laut den 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF knapp vor der SPD stärkste Kraft geworden. Im Durchschnitt kommt die Partei von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm auf 37,5 Prozent, vor den Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit 36 Prozent.AfD knapp vor SPD als stärkste KraftDie beiden öffentlich-rechtlichen Sender stützen sich bei ihrer Prognose auf Nachwahlbefragungen, die am Sonntag in den Wahllokalen durchgeführt wurden.

Demnach liegt die AfD im Nordosten erstmals vor der lange dominierenden SPD und könnte damit die größte Fraktion im neuen Landtag stellen.

Für Regierungschefin Manuela Schwesig bedeutet das Ergebnis einen deutlichen Verlust an Vorsprung gegenüber dem bisherigen politischen Wettbewerb.Deutliches Feld dahinterMit großem Abstand folgt laut den Durchschnittswerten aus den Prognosen die Linke, die auf 6,8 Prozent kommt. Die Grünen erreichen 5,5 Prozent und schaffen damit voraussichtlich den Wiedereinzug in den Landtag. Die CDU liegt mit 5,3 Prozent nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde und muss damit trotz formaler Aussicht auf einen Parlamentseinzug um ihre künftige Stärke im Landtag bangen.BSW und FDP vorerst ohne sichere PerspektiveDas Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wird in den Prognosen mit 4,9 Prozent angegeben und bewegt sich damit haarscharf an der Schwelle zur parlamentarischen Vertretung. Ob die neue Partei tatsächlich in den Landtag einzieht, hängt von der weiteren Auszählung ab. Die FDP kommt in den Hochrechnungen lediglich auf 1,1 Prozent und wäre damit klar nicht mehr im Landtag vertreten.Methodik der 18-Uhr-PrognosenDie 18-Uhr-Prognosen beruhen auf Nachwahlbefragungen von Infratest dimap für die ARD und der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. Sie werden unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht und gelten als erster belastbarer Hinweis auf das voraussichtliche Endergebnis. Geringe Abweichungen sind möglich, insbesondere bei Parteien im Bereich der Fünf-Prozent-Hürde oder neuen Formationen wie dem BSW.
Die 18-Uhr-Prognosen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markieren einen Einschnitt für das politische Gefüge im Nordosten.

Erstmals liegt die AfD in einem Flächenland im Norden klar vor einer seit Jahren regierenden SPD-Ministerpräsidentin. Das unterstreicht, wie stark sich die parteipolitischen Kräfteverhältnisse über die vergangenen Wahlperioden hinweg verschoben haben.Verschiebung der KräfteverhältnisseMit prognostisch weit über einem Drittel der Stimmen und einem deutlichen Vorsprung vor der SPD wird die AfD zum bestimmenden Faktor der künftigen Landtagsarithmetik. Selbst wenn sich die exakten Prozentwerte im Laufe des Wahlabends noch verändern, dürfte die Partei eine stark gewachsene Fraktion stellen und rechnerisch an mehreren Koalitionsbildungen beteiligt sein – auch wenn eine Regierungsbeteiligung wegen klarer Abgrenzungsbeschlüsse anderer Parteien weiterhin als ausgeschlossen gilt. Die SPD verliert dagegen die komfortable Position als mit Abstand stärkste Kraft und muss ihre strategische Rolle im Parteiensystem des Landes neu definieren.Schwäche der traditionellen ParteienAuffällig ist die prognostizierte Schwäche der CDU und FDP. Die Christdemokraten liegen nur knapp über der Fünf-Prozent-Marke und riskieren damit eine deutlich verkleinerte Fraktion, was auch bundespolitisch als Warnsignal für die Partei gelesen werden kann. Die FDP droht den Wiedereinzug ins Parlament klar zu verfehlen, was ihre Präsenz in den ostdeutschen Länderparlamenten weiter reduziert. Linke, Grüne und das neue BSW bewegen sich in einem Bereich, in dem schon geringe Schwankungen über Präsenz oder Abwesenheit im Landtag entscheiden können.Koalitionsoptionen und Bedeutung für die BundespolitikFür die Regierungsbildung bedeutet der prognostizierte Befund, dass klassische Zweierbündnisse jenseits der AfD arithmetisch schwierig werden könnten und komplexe Dreierkoalitionen wahrscheinlicher sind. Das Ergebnis fügt sich zudem in eine Reihe starker AfD-Resultate in ostdeutschen Ländern ein und dürfte in den Bundesparteizentralen Diskussionen über Strategien gegenüber der Partei sowie über die eigene Programmatik und Ansprache im Osten weiter anheizen.

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