ING-Chefvolkswirt warnt vor möglicher Gasmangellage im kalten Winter

heute 06:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski warnt vor einer möglichen Gasmangellage in Deutschland, falls ein außergewöhnlich kalter Winter die ohnehin niedrigen Speicherstände belastet. Zugleich rechnet er mit höheren Gas- und Ölpreisen sowie anhaltendem Inflationsdruck.

Gasspeicher (Archiv)
Gasspeicher (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hat vor einer möglichen Gasmangellage in Deutschland gewarnt. Angesichts historisch niedriger Gasspeicherstände hält er Probleme im Falle eines außergewöhnlich kalten Winters für denkbar.Warnung vor EngpässenBei einem normalen Winter seien keine Versorgungsprobleme zu erwarten, sagte Brzeski. Sollte es jedoch mehrere sehr kalte Monate hintereinander geben, könne sich die Lage deutlich verschärfen.Nach seinen Angaben sollten die zuständigen Stellen deshalb frühzeitig prüfen, aus welchen Ländern zusätzlich LNG beschafft werden könnte. Als weitere Möglichkeit nannte er vorübergehend einen stärkeren Einsatz von Kohle.Erwartungen bei Gas, Öl und InflationBrzeski rechnet außerdem mit steigenden Gaspreisen und sieht Risiken für kleinere Versorger. Diese hätten schon 2022 hohe Marktpreise tragen müssen, ohne sie sofort an Kunden weitergeben zu können.Auch beim Öl erwartet er im dritten Quartal hohe Notierungen.

Für Autofahrer hätte das spürbare Folgen, zugleich dürfte der Inflationsdruck nach seiner Einschätzung länger bestehen bleiben.Brzeski geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland bis zum Jahresende über drei Prozent liegen wird. Auch im August könnte die Marke nach seiner Einschätzung erreicht oder spätestens im September überschritten werden.Blick auf die VersorgungslageFür die Bundesregierung steht damit erneut die Frage im Raum, wie sich Beschaffung, Speicherbefüllung und Krisenvorsorge miteinander verbinden lassen.

Entscheidend bleibt, ob sich die Versorgungslage vor dem Winter weiter entspannt oder ob die Marktpreise bei kühler Witterung schnell wieder anziehen.Für Verbraucher, Unternehmen und Kommunen ist das Thema deshalb doppelt relevant: Es geht um die Sicherheit der Wärmeversorgung und zugleich um die Kostenentwicklung in einer ohnehin preissensiblen Phase. Weiterleiten Sie den Artikel an Freunde.
Die Warnung des ING-Chefvolkswirts knüpft an ein bekanntes Muster an: Im Spätsommer entscheidet sich oft, wie robust die Energieversorgung für den Winter ist. Wenn Speicherstände niedrig bleiben und zugleich kältere Phasen eintreten, steigen die Anforderungen an Beschaffung, Flexibilität und Koordination spürbar.Für Deutschland ist dabei vor allem relevant, dass Gas nicht nur Haushalte und Wärmeversorgung betrifft, sondern auch Industrie, Strommarkt und Preisentwicklung.

Höhere Gaspreise wirken schnell auf Kosten vieler Unternehmen, auf Wärmeabrechnungen und indirekt auf die Inflationsrate. Deshalb haben Einschätzungen zu Speicherständen und Beschaffungsstrategien eine Bedeutung, die weit über den Energiemarkt hinausreicht.Worauf es im Winter ankommtBrzeski stellt die Frage der Vorsorge in den Mittelpunkt: zusätzliche LNG-Mengen, mögliche Alternativen wie mehr Kohleeinsatz und ein frühzeitiges Handeln der Politik. Der Kern seiner Warnung ist ökonomisch nachvollziehbar: Wer knappe Mengen erst unter Zeitdruck beschafft, zahlt meist mehr. Genau deshalb sind Speicher, Importquellen und Reserveoptionen im Herbst zentrale Stellschrauben.Folgen für Preise und InflationWenn Gas und Öl zugleich teuer bleiben, erhöht das den Druck auf Verbraucherpreise und auf die Kalkulation kleinerer Versorger. Für Leser bedeutet das vor allem: Die Kostenentwicklung bei Energie bleibt ein wichtiger Taktgeber für das Preisniveau, und sie kann sich mit Verzögerung in anderen Lebensbereichen bemerkbar machen. Ob es tatsächlich zu Engpässen kommt, hängt dabei wesentlich vom Wetterverlauf, von den Importen und vom Verbrauch ab.

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