Handwerkspräsident fordert deutliche Senkung der Sozialabgaben

heute 16:33 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Jörg Dittrich, Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, verlangt rasche und weitreichende Änderungen bei den Lohnnebenkosten – sonst, so sagt er, drohe vielen Betrieben die Luft auszugehen.

Haus des Deutschen Handwerks (Archiv)
Haus des Deutschen Handwerks (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung hat kurz vor der Sommerpause einige Ansätze geliefert – richtig, findet Dittrich, aber in der Praxis bleibt vieles liegen.



Schneller und mutiger handeln?
Laut Dittrich reicht das Angekündigte bei Weitem nicht, um wirklich etwas in den Betrieben zu bewirken. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ pocht er auf Reformen spätestens im Herbst – und zwar solche, die Substanz besitzen.



Sparschraube Lohnnebenkosten
Sein Hauptanliegen: Der Abbau der Lohnnebenkosten.

Denn das Handwerk ist hiervon besonders gebeutelt – mit im Schnitt 60 Prozent Lohnanteil belastet jede kleinste Erhöhung sofort die Kassen.

Ein Prozentpunkt mehr Sozialabgaben? 20 Milliarden Euro weniger Luft, sagt Dittrich. Früher galt 40 Prozent Gesamtbelastung als Obergrenze, mittlerweile liegen die Beiträge drei Prozentpunkte darüber – und das, findet Dittrich, müsse schleunigst korrigiert werden.

Lage hat sich spürbar eingetrübt
Die jüngste ZDH-Umfrage unter 6.000 Handwerksfirmen malt ein tristes Bild: Das Stimmungsbarometer für das zweite Quartal ist regelrecht abgestürzt – vergleichbar nur mit der Corona-Krise. Dittrich sieht darin einen deutlichen Hilferuf der Branche.

Gespaltene Wirtschaft
Interessant: Während andere Wirtschaftszweige laut Ifo-Institut aufblühen, bleibt das Handwerk im Stimmungstief. Die Maßnahmen der Politik, etwa die Körperschaftssteuerreform, laufen an der Lebensrealität vieler Handwerksbetriebe vorbei – sie profitieren kaum, da die meisten nicht als Kapitalgesellschaft, sondern als Personengesellschaft arbeiten.



Geschlossene Reihen – aber dicke Luft
Drei Viertel der Betriebe bekommen keinerlei Entlastung zu spüren.

Und sogar die geplante Einkommenssteuerreform würde – zumindest teils – das Gegenteil bewirken: neue Belastungen statt Entlastung.

Als Dachdecker aus Dresden weiß Dittrich, wie nah die Nerven derzeit bei vielen sitzen.



ZDH als Sprachrohr
Der ZDH sammelt rund eine Million Betriebe mit sechs Millionen Mitarbeitern hinter sich – und mit Dittrich als Sprecher, der gerade seine zweite Amtszeit begonnen hat und die Interessen der Handwerker unmissverständlich vertritt.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, hebt die drängende Notwendigkeit hervor, insbesondere die Lohnnebenkosten spürbar zu senken, um das traditionsreiche deutsche Handwerk vor einem weiteren Abschwung zu bewahren.

Die Stimmung in den Betrieben ist derzeit so schlecht wie zu Hochzeiten der Corona-Pandemie, was auch auf die als unzureichend empfundenen politischen Entlastungsmaßnahmen zurückgeführt wird. Wegen der spezifischen Unternehmensstruktur im Handwerk greifen steuerliche Reformen wie die Körperschaftssteuerreduktion kaum, was die Lage zusätzlich verschärft und den Ruf nach gezielten Korrekturen deutlich lauter werden lässt.

Recherchen zeigen, dass die Krise im Handwerk vielfältige Ursachen hat: Von Materialmangel über Inflation bis hin zu Fachkräftemangel und überbordender Bürokratie. Verschiedene Medien berichten zudem, dass selbst geneigte Erleichterungen wie Steueranpassungen oder Förderprogramme oft zu komplex sind und an vielen kleinen Betrieben vorbei gehen.

Diskussionen um eine Entlastung auf Seiten der Sozialabgaben werden deshalb aktuell besonders intensiv geführt, da das Handwerk als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gilt und zunehmend um Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit bangt.

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