Grüne erklären Strategie gegen AfD für gescheitert
heute 11:56 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann sehen die bisherigen Antworten der demokratischen Parteien auf den AfD-Aufstieg als unzureichend an. Sie fordern spürbare politische Lösungen, besonders für strukturschwache Regionen und Menschen, die sich von der Politik vergessen fühlen.
via dts Nachrichtenagentur
Die Grünen erklären ihre bisherige Strategie gegen die AfD für gescheitert und fordern einen politischen Kurswechsel. Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge und Britta Haßelmann, schreiben in einem fünfseitigen Impulspapier, alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, hätten nicht ausgereicht.Grüne sehen eigene MitverantwortungIn dem Papier, das an die Grünen-Abgeordneten verschickt wurde, übernehmen Dröge und Haßelmann auch für die eigene Partei Verantwortung.
Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD seien alle demokratischen Parteien mitverantwortlich. Niemand solle einfach weitermachen wie bisher, heißt es in dem Dokument.Die beiden Fraktionsvorsitzenden schreiben, viele Bürger erreiche das Eintreten für Demokratie und Rechtsstaat nicht mehr. Die Grünen wirkten in ihrem Bemühen, das demokratische System zu schützen, auf zu viele Menschen wie Verteidiger eines Status quo, der im Alltag nicht gut funktioniere.Fokus auf konkrete LösungenDie demokratischen Parteien müssten nach Einschätzung von Dröge und Haßelmann spürbare Lösungen für die Probleme der Menschen anbieten, um besser gegen die AfD zu bestehen.
Besonders in strukturschwachen Regionen fänden die Versprechen der Rechtspopulisten Gehör.Dort fühlten sich viele Menschen von der Politik vergessen. Es sei Aufgabe aller demokratischen Parteien, diesem Eindruck entgegenzutreten und die Lebensbedingungen in diesen Regionen sichtbar zu verbessern.
Das Impulspapier der Grünen-Fraktionsvorsitzenden fällt in eine Phase, in der die AfD bundesweit und besonders in mehreren ostdeutschen Ländern stark auftritt. Im ARD-DeutschlandTrend vom 1. Oktober 2026 lag die AfD bei 27 Prozent und damit vor der Union. Zugleich berichteten aktuelle Analysen über deutliche AfD-Erfolge bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.Die Grünen benennen damit ein Problem, das über den üblichen Streit über Abgrenzung und Verbotsforderungen hinausgeht: Demokratische Parteien müssen nicht nur die AfD kritisieren, sondern auch politische Wirksamkeit im Alltag vermitteln. Dazu gehören funktionierende staatliche Leistungen, wirtschaftliche Perspektiven und die sichtbare Präsenz von Politik in Regionen, die sich dauerhaft abgehängt fühlen.Regionale Stärke und bundesweite HerausforderungDie Konzentration auf strukturschwache Regionen erklärt den AfD-Erfolg jedoch nicht vollständig. Aktuelle Beiträge verweisen darauf, dass AfD-Wähler inzwischen in großer Zahl auch im Westen leben und wirtschaftliche Belastungen, Misstrauen gegenüber Regierungen sowie kulturelle Konflikte zusammenwirken.
Eine neue Strategie müsste deshalb regionale Unterschiede berücksichtigen, ohne die gesellschaftliche Reichweite der Partei auf Ostdeutschland zu begrenzen.Politisch relevant wird vor allem, ob aus der Analyse konkrete Angebote entstehen. In Sachsen-Anhalt erschwert die starke AfD bereits die Regierungsbildung; zugleich wird über den Umgang anderer Parteien mit möglichen Mehrheiten und Kooperationen gestritten.
Das erhöht den Druck auf die demokratischen Parteien, zwischen klarer Abgrenzung und einer überzeugenden Politik für unzufriedene Wähler einen tragfähigen Kurs zu entwickeln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenBR: „ARD-DeutschlandTrend: AfD bleibt vor Union, Unzufriedenheit hoch“ (01.10.2026)Der Beitrag ordnet die politische Ausgangslage mit aktuellen Umfragewerten und hoher Unzufriedenheit ein. Er bestätigt den wachsenden Druck auf die demokratischen Parteien, setzt den Schwerpunkt aber auf die bundesweite Stimmungslage und nicht auf das konkrete Grünen-Papier.ZDFheute: „Sven Schulze bei „Lanz“: „CDU verweigert sich nicht komplett““ (02.10.2026)Der Bericht zeigt am Beispiel Sachsen-Anhalts, wie der AfD-Erfolg die Regierungsbildung und die Debatte über die Abgrenzung anderer Parteien beeinflusst. Damit ergänzt er die Analyse der Grünen um die praktische Frage, wie demokratische Parteien auf starke AfD-Ergebnisse reagieren.Übereinstimmung besteht darin, dass die Stärke der AfD den politischen Handlungsdruck erhöht. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: Während der DeutschlandTrend die Stimmung der Wähler misst, beleuchtet der ZDF-Bericht die konkreten Folgen für parlamentarische Mehrheiten und die Brandmauer.