Forsa-Umfrage: AfD bei 27 Prozent, Union bleibt bei 20 Prozent
heute 14:32 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die AfD führt die wöchentliche Forsa-Umfrage mit 27 Prozent an. Für Friedrich Merz und die Union verschärft sich die Lage nach den jüngsten Landtagswahlen: 55 Prozent sprechen sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus.
via dts Nachrichtenagentur
Die AfD bleibt in der wöchentlichen Forsa-Umfrage für RTL und ntv mit 27 Prozent stärkste Kraft. Die Union verharrt mit 20 Prozent auf ihrem Rekordtief, während die Grünen auf 17 Prozent kommen.Grüne verlieren, SPD und Linke gleichaufDie Grünen büßen gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt ein. SPD und Linke erreichen jeweils zwölf Prozent, die FDP kommt unverändert auf vier Prozent und das BSW auf drei Prozent.Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt bei 25 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte der Anteil der Nichtwähler 17,9 Prozent betragen.Landtagswahlen bleiben wichtigstes ThemaDie Landtagswahlen in Ostdeutschland sind für 39 Prozent der Befragten eines der wichtigsten Themen.
Dahinter folgen die Arbeit der Bundesregierung mit 35 Prozent und die hohen Benzinpreise mit 21 Prozent.Die allgemeine wirtschaftliche Lage nennen 16 Prozent, Rechtsradikalismus beziehungsweise die AfD 13 Prozent. Der Krieg in der Ukraine kommt auf zwölf Prozent, der Konflikt im Nahen Osten auf zehn Prozent.Mehrheit sieht keine Partei als ProblemlöserBei der Frage nach der politischen Lösungskompetenz liegt die AfD mit 13 Prozent vorn. Der Union trauen dies zehn Prozent zu, den Grünen acht Prozent sowie SPD und Linken jeweils sechs Prozent.Eine Mehrheit von 54 Prozent ist der Ansicht, dass keine Partei in der Lage ist, die Probleme in Deutschland zu lösen.
Damit fällt die grundsätzliche Skepsis deutlich größer aus als die Zustimmung zu jeder einzelnen Partei.Alltagssorgen als häufigster Grund für Unionsverluste81 Prozent nennen als Ursache für den Wählerschwund der Union, dass sich CDU und CSU zu wenig um die Alltagssorgen der Bürger kümmerten.
Jeweils rund zwei Drittel machen Kanzler Friedrich Merz und das gebrochene Versprechen, keine neuen Schulden aufzunehmen, für die Verluste verantwortlich.57 Prozent führen die Entwicklung auf eine sozial nicht ausgewogene Regierungspolitik zurück. Weitere Gründe sind aus Sicht der Befragten die Spätfolgen der Politik der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu viele Kompromisse mit der SPD und ein zu konservativer Kurs.55 Prozent für Rücktritt von Merz55 Prozent der Bundesbürger sprechen sich dafür aus, dass Friedrich Merz als Bundeskanzler zurücktritt. 40 Prozent wollen, dass er im Amt bleibt.Unter AfD-Anhängern befürworten 89 Prozent einen Rücktritt, unter Ostdeutschen 68 Prozent und unter Linken-Anhängern 65 Prozent. Bei SPD-Anhängern sind 43 Prozent dafür und 51 Prozent dagegen; unter CDU- und CSU-Anhängern lehnen 78 Prozent einen Rücktritt ab.Große Unzufriedenheit mit KanzlerarbeitMit der Arbeit von Merz sind elf Prozent zufrieden, ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. 87 Prozent äußern sich unzufrieden.Auch unter den Anhängern von CDU und CSU überwiegt die Unzufriedenheit: 44 Prozent sind zufrieden, 56 Prozent nicht. Bei SPD-Anhängern liegt die Unzufriedenheit bei 86 Prozent, bei Grünen-Anhängern bei 91 Prozent, bei Linken-Anhängern bei 97 Prozent und bei AfD-Anhängern bei 99 Prozent.
Die Forsa-Zahlen erscheinen wenige Tage nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, die den Druck auf die Union zusätzlich erhöht haben. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU nach dem vorläufigen Ergebnis mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und war damit erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik nicht in einem Landtag vertreten. In Berlin lag die Linke klar vorn, während die CDU ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.Damit erhält der Abstand zwischen AfD und Union in der bundesweiten Sonntagsfrage eine besondere politische Bedeutung.
Die AfD liegt bei Forsa sieben Prozentpunkte vor CDU und CSU; zugleich trauen nur 13 Prozent der AfD und zehn Prozent der Union zu, die Probleme Deutschlands zu lösen.
Dass 54 Prozent keiner Partei diese Fähigkeit zuschreiben, weist auf eine breite Unzufriedenheit hin, die über das Verhältnis zwischen zwei Parteien hinausgeht.Alltagsfragen und RegierungsverantwortungDie von Forsa genannten Ursachen für den Unionsverlust verbinden konkrete Alltagsthemen mit der Bewertung der Bundesregierung.
Hohe Benzinpreise gehören für 21 Prozent zu den wichtigsten Themen, während 81 Prozent der Befragten die unzureichende Beschäftigung mit Alltagssorgen als Grund für den Wählerschwund nennen.
Das gebrochene Versprechen zur Schuldenaufnahme und die Bewertung von Friedrich Merz verstärken diesen Zusammenhang insbesondere bei früheren Unionswählern.Für die Bundesregierung steigt damit der Handlungsdruck auf mehreren Ebenen: Sie muss wirtschaftliche und soziale Belastungen sichtbar bearbeiten, zugleich aber ihre politische Geschlossenheit vermitteln. Die Umfragewerte belegen eine aktuelle Stimmungslage, ersetzen jedoch keine Wahlentscheidung.
Ihr Gewicht liegt vor allem darin, dass sich Parteipräferenzen, Kompetenzzuschreibung und persönliche Kanzlerbewertung in dieselbe Richtung bewegen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenNDR: „Nach den Wahlen in Berlin und MV: Was muss Merz jetzt ändern?“ (21.09.2026)Der Beitrag ordnet die schwachen Umfragewerte der Union in die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen ein. Er hebt ebenfalls den deutlichen Vorsprung der AfD in bundesweiten Stimmungstests und den politischen Druck auf Friedrich Merz hervor, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf mögliche Konsequenzen für die Regierungsarbeit.tagesschau: „Nach den Landtagswahlen: Merz spielt auf Zeit“ (20.09.2026)Die tagesschau beschreibt die Wahlniederlage der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und die Reaktion des Kanzlers. Im Vergleich zur Forsa-Erhebung stehen dort die unmittelbaren Folgen der Landtagswahlen und die Frage nach dem weiteren Kurs der Union im Mittelpunkt.Übereinstimmend wird die Union durch schwache Wahlergebnisse und niedrige Umfragewerte unter Druck gesehen.
Unterschiede bestehen vor allem beim Blickwinkel: Die Forsa-Erhebung misst Wählerpräferenzen und Ursachenbewertungen, während die beiden Beiträge die Folgen der Landtagswahlen für Friedrich Merz und die Regierungsstrategie beleuchten.