Forsa-Trendbarometer: AfD bei 27 Prozent, Union fällt auf 20
heute 14:39 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die AfD liegt im neuen Forsa-Trendbarometer mit 27 Prozent klar vor der Union, die mit 20 Prozent ihren niedrigsten Wert seit Oktober 2021 erreicht. Zugleich fällt die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen neuen Tiefststand, während eine Mehrheit keiner Partei Lösungskompetenz für die Probleme im Land zutraut.
via dts Nachrichtenagentur
Die Union ist im neuen „Trendbarometer“ des Meinungsforschungsinstituts Forsa auf ihren schlechtesten Wert seit Oktober 2021 gefallen, während die AfD deutlich vorn liegt. Parallel erreicht die Zufriedenheit mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz einen neuen Tiefpunkt.AfD vor Union, Grüne und Linke im AufwindIn der im Zeitraum vom 8. bis 14. September erhobenen Umfrage, an der insgesamt 2.502 Personen teilnahmen, kommt die AfD auf 27 Prozent und bleibt damit klar stärkste Kraft. Die CDU/CSU verliert gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt und fällt auf 20 Prozent, den niedrigsten Wert seit Oktober 2021. Die Grünen legen um zwei Punkte zu und erreichen mit 18 Prozent ihren besten Wert seit April 2023.Die Linke gewinnt einen Punkt hinzu und liegt mit 12 Prozent nun gleichauf mit der SPD, die ebenfalls bei 12 Prozent steht. Die FDP bleibt unverändert bei vier Prozent, das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei drei Prozent. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt 26 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2025 von 17,9 Prozent.Landtagswahlen prägen das ThemeninteresseAktuell bestimmen die Landtagswahlen in Ostdeutschland und besonders der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das Themeninteresse der Bundesbürger. 60 Prozent nennen die Landtagswahlen als eines der wichtigsten Themen.
Mit deutlichem Abstand folgen die Arbeit der Bundesregierung mit 22 Prozent und die allgemeine wirtschaftliche Lage mit 21 Prozent.Der Krieg in der Ukraine wird von 15 Prozent der Befragten als wichtiges Thema genannt, Rechtsradikalismus von 11 Prozent und der Krieg im Nahen Osten von zehn Prozent. Die Umfrage zeigt damit eine starke Fokussierung auf innenpolitische und regionale Entwicklungen, während internationale Konflikte im Themenranking dahinter zurückstehen.Vertrauen in Problemlösungskompetenz der ParteienBei der Frage, welcher Partei die Bundesbürger am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen, liegt die AfD mit unverändert 13 Prozent vorn. Die CDU/CSU verliert einen Punkt und kommt nur noch auf 11 Prozent. Den Grünen trauen acht Prozent eine Lösungskompetenz zu, SPD und Linke jeweils fünf Prozent.Mehr als die Hälfte der Befragten zweifelt grundsätzlich an der Problemlösungsfähigkeit der Parteien: Mit unverändert 55 Prozent gibt eine Mehrheit an, keiner Partei zuzutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen.
Die Umfrage deutet damit auf ein verbreitetes Misstrauen gegenüber dem politischen System hin.Merz erreicht neuen Tiefstwert bei ZufriedenheitDie Zufriedenheit mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fällt auf einen neuen Tiefstwert. Nur noch zehn Prozent der Bundesbürger sind mit seiner Arbeit zufrieden, drei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. 88 Prozent äußern sich hingegen unzufrieden – das ist der niedrigste Wert, den Forsa bislang für Merz gemessen hat.Auch in der eigenen Anhängerschaft der Union ist die Bilanz deutlich kritisch: Unter den Anhängern von CDU und CSU sind 42 Prozent mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden, 57 Prozent nicht zufrieden. Im Vergleich zu seinem Vorgänger Olaf Scholz schneidet Merz damit schlechter ab: Am Tiefpunkt im Juli 2024 waren 23 Prozent mit der Arbeit von Scholz zufrieden und 76 Prozent unzufrieden.Pessimistischer Blick auf die wirtschaftliche EntwicklungDie Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung bleiben mehrheitlich pessimistisch, verbessern sich gegenüber der Vorwoche jedoch leicht. 16 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. 63 Prozent erwarten eine Verschlechterung, nach 65 Prozent in der Vorwoche.21 Prozent gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Lage unverändert bleibt. Aus den Angaben errechnet Forsa einen Stimmungsindex, der von minus 50 auf minus 47 Punkte steigt. Trotz der leichten Verbesserung bleibt die wirtschaftliche Stimmung damit deutlich im negativen Bereich.
Die aktuellen Zahlen des Forsa-„Trendbarometers“ markieren eine deutliche Verschiebung im parteipolitischen Kräfteverhältnis. Dass die AfD mit 27 Prozent klar vor der Union liegt und diese mit 20 Prozent ihren schlechtesten Wert seit Oktober 2021 erreicht, unterstreicht die anhaltende Schwäche der traditionellen großen Parteien und die Stärke einer Protestdynamik, die sich vor allem in Ostdeutschland zeigt.Auffällig ist zugleich die Entwicklung bei den kleineren Parteien: Die Grünen steigen mit 18 Prozent auf ihren besten Wert seit April 2023, die Linke liegt mit 12 Prozent gleichauf mit der SPD. Damit spiegelt die Umfrage ein stark fragmentiertes Parteiensystem wider, in dem sich Wählerstimmen auf mehrere Lager verteilen und klassische Regierungsoptionen rechnerisch schwieriger werden.Vertrauen und FührungskräfteBesonders gravierend ist der Vertrauensverlust in die politische Problemlösungskompetenz: Eine klare Mehrheit von 55 Prozent traut keiner Partei zu, die Probleme im Land zu lösen.
Zugleich liegt die AfD bei dieser Kompetenzfrage mit 13 Prozent vorne, während die Union auf 11 Prozent fällt. Diese Kombination weist auf ein Klima verbreiteter Unzufriedenheit hin, in dem zugleich eine Partei außerhalb des bisherigen Machtzentrums punktet.Die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht mit nur noch zehn Prozent einen neuen Tiefststand, bei gleichzeitig 88 Prozent Unzufriedenen.
Dass Merz damit sogar schlechter abschneidet als sein Vorgänger Olaf Scholz an dessen Tiefpunkt, verstärkt den Eindruck einer Führungsschwäche an der Spitze der Bundesregierung.
Auch in der eigenen Anhängerschaft der Union überwiegt die Kritik deutlich.Wirtschaftliche Stimmung und AusblickDie wirtschaftliche Lage bleibt ein Belastungsfaktor: Zwar hellen sich die Erwartungen leicht auf, doch weiterhin rechnen 63 Prozent mit einer Verschlechterung der Verhältnisse, nur 16 Prozent mit einer Verbesserung.
Der Stimmungsindex steigt zwar von minus 50 auf minus 47 Punkte, bleibt aber klar im negativen Bereich. Vor diesem Hintergrund dürfte die politische Debatte in den kommenden Wochen von wirtschaftlichen Sorgen, der Bewertung der Landeswahlergebnisse in Ostdeutschland und der Frage geprägt sein, ob Regierung und Opposition neue Antworten auf das schwindende Vertrauen vieler Bürger finden.