EU-Klimaregeln: Dröge kritisiert Methan-Aufschub und Auto-Deal

heute 16:30 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge wirft der Bundesregierung vor, europäische Klimaschutzvorgaben bei Methan und Autos abzuschwächen. Besonders kritisiert sie Umweltminister Carsten Schneider und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Katharina Dröge (Archiv)
Katharina Dröge (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Dröge greift Bundesregierung wegen EU-Klimaregeln anGrünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat die Bundesregierung dafür kritisiert, dass die EU-Regeln für Methan-Emissionen bei importierten fossilen Brennstoffen um ein Jahr verschoben werden sollen.

Die Verschiebung sei ein Armutszeugnis für Umweltminister Carsten Schneider (SPD), sagte Dröge der „Rheinischen Post“.Kritik an Schneider und ReicheDröge warf Schneider vor, vor Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eingeknickt zu sein. Reiche setze seit ihrem Besuch in Texas Forderungen der Öl- und Gaskonzerne um, kritisierte die Grünen-Politikerin.Der Bundeskanzler dürfe dies nicht hinnehmen und müsse Reiche Einhalt gebieten, sagte Dröge weiter. Mit der Methan-Verordnung könne die Erderwärmung spürbar und schnell bekämpft werden.Regeln für fossile ImporteMethan wirkt in der Atmosphäre über einen Zeitraum von 100 Jahren rund 28-mal stärker als CO2. Die EU-Verordnung verpflichtet Importeure von Erdgas, Erdöl und Kohle, Informationen über Methanemissionen entlang internationaler Lieferketten vorzulegen.Betroffen sind unter anderem Emissionen bei Förderung und Transport. Außerdem sollen Leckagen schnell beseitigt sowie das Ablassen und Abfackeln von Gasen verringert werden.Streit über CO2-Grenzwerte für NeuwagenDröge kritisierte zugleich die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich über eine Abschwächung der CO2-Flottengrenzwerte für Neuwagen.

Den Erfolg der Elektromobilität könnten Reiche, Bundeskanzler Friedrich Merz und die Union nicht mehr aufhalten, sagte sie.Nach ihrer Einschätzung entscheidet sich derzeit, ob Elektroautos, Batterietechnik und weitere Zukunftstechnologien in Deutschland oder in anderen Ländern produziert werden.

Merz schade mit dem Deal den deutschen Standorten massiv.Vorgaben für HerstellerDie Flottengrenzwerte erlauben derzeit einen durchschnittlichen Ausstoß von 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer für alle in der EU zugelassenen Neuwagen eines Herstellers. Nach den bisherigen Plänen sollte der zulässige Ausstoß schrittweise auf null Gramm pro Kilometer sinken.Damit würde der Verkauf neuer Verbrenner ab 2035 indirekt verhindert. Alternative Kraftstoffe, Plug-in-Hybride und Range Extender erreichen den vorgesehenen Wert von null Gramm CO2-Ausstoß nicht.Streit über KompensationDie Europäische Kommission hatte Ende vergangenen Jahres vorgeschlagen, das CO2-Reduktionsziel für Neuwagen im Jahr 2035 von 100 auf 90 Prozent gegenüber 2021 abzusenken. Im Gegenzug sollte beim Autobau weitgehend fossiler Brennstoff vermieden werden.Außerdem sollten Verbrenner nach dem Vorschlag mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden.

Deutschland und Frankreich wollen diese Kompensation nun streichen.
Die Methanverordnung der Europäischen Union zielt auf Emissionen, die entlang internationaler Lieferketten fossiler Energieträger entstehen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Anlagen innerhalb der EU, sondern auch Informationen und Nachweise von Importeuren über Förderung, Transport, Leckagen sowie das Ablassen und Abfackeln von Gas.Methan besitzt wegen seiner hohen Klimawirkung kurzfristig besondere Bedeutung.

Eine Begrenzung von Leckagen kann deshalb schneller auf die Erderwärmung wirken als Maßnahmen, die erst über Jahrzehnte greifen.

Die geplante Verschiebung würde den Start einzelner Pflichten für Importeure nach hinten verlagern und betrifft damit vor allem die Kontrolle internationaler Lieferketten.Streit um den Kurs der KlimapolitikParallel steht die europäische Autoindustrie vor einer politischen Richtungsentscheidung.

Die Debatte über die Flottengrenzwerte verbindet Klimaschutz, Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit von Herstellern und Zulieferern. Eine Lockerung könnte den Unternehmen kurzfristig mehr Spielraum bei Antrieben und Produktionsentscheidungen geben, würde aber zugleich den Druck zur Umstellung auf emissionsärmere Fahrzeuge verringern.Für Deutschland ist der Konflikt deshalb doppelt relevant: Die Bundesregierung muss ihre Position in europäischen Verhandlungen festlegen, während Unternehmen Planungssicherheit für Werke, Batterien und Fahrzeugplattformen benötigen.

Für Verbraucher können sich Vorgaben mittelbar auf Modellangebot, Preise, Infrastruktur und den Zeitpunkt des Wechsels zu emissionsärmeren Fahrzeugen auswirken.Entscheidungen auf EU-EbeneDie Auseinandersetzung ist noch nicht auf die nationale Regierungsebene begrenzt. Änderungen an Methanvorgaben und CO2-Flottenregeln müssen in den europäischen Entscheidungsprozess eingebettet werden.

Entscheidend bleibt daher, welche konkreten Formulierungen Deutschland und Frankreich gemeinsam vertreten und wie die übrigen EU-Staaten darauf reagieren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „Frankreich und Deutschland wollen Verbrenner-Aus aufweichen“ (16.10.2026)Der Beitrag bestätigt die deutsch-französische Verständigung über eine Lockerung der Vorgaben ab 2035. Im Mittelpunkt steht dort insbesondere der Vorschlag, eine 90-prozentige Emissionsminderung ohne Kompensation der verbleibenden zehn Prozent zu ermöglichen.Frankfurter Rundschau: „Merz und Macron wollen Verbrenner-Aus aufweichen: Ein 'historischer Fehler', warnen Kritiker“ (16.10.2026)Auch dieser Artikel beschreibt die geplante Absenkung des Reduktionsziels auf 90 Prozent und hebt stärker die Kritik an den politischen Folgen hervor. Damit ergänzt er die Darstellung um die Bewertung der Gegner einer Lockerung.Gemeinsam ist den Beiträgen die erwartete Abschwächung der europäischen CO2-Vorgaben.

Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während die tagesschau die konkrete Regelung beschreibt, rückt die Frankfurter Rundschau die Kritik daran in den Vordergrund.

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