Bundeswehr neuer Wehrdienst: 31 Prozent der Bewerber fallen durch
14.09.26 11:49 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Eine interne Statistik des Verteidigungsministeriums zeigt: Im neuen Wehrdienst der Bundeswehr wird im zweiten Quartal 2026 rund jeder dritte untersuchte Bewerber als wehrdienstunfähig eingestuft. Zugleich fällt das tatsächliche Interesse am Dienst in der Truppe deutlich geringer aus als die Zahl der angeschriebenen jungen Menschen vermuten lässt.
via dts Nachrichtenagentur
Fast jeder dritte Freiwillige, der sich für den neuen Wehrdienst bei der Bundeswehr gemeldet hat, ist nach ärztlicher Untersuchung körperlich nicht fit genug für die Truppe. Demnach wurden im zweiten Quartal 2026 gut 31 Prozent der Interessenten als wehrdienstunfähig ausgemustert.Interne Statistik des VerteidigungsressortsLaut einer internen Statistik des Verteidigungsressorts wurden im zweiten Quartal dieses Jahres von 1.490 Bewerbern 1.131 als geeignet für die Bundeswehr eingestuft, 359 wurden ausgemustert. Die Zahlen gehen auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an das Verteidigungsministerium zurück und wurden dem Bericht zufolge ausgewertet.Entwicklung der AusmusterungsquoteIm ersten Quartal lag die Zahl der Bewerber, die als wehrdienstunfähig eingestuft wurden, noch etwas niedriger als im zweiten Quartal. Damit zeigt sich bereits zu Beginn des neuen Wehrdienstes eine spürbare Quote junger Menschen, die die medizinischen Anforderungen der Truppe nicht erfüllen.Breite Anschreiben an junge MenschenInsgesamt hat die Bundeswehr von April bis Ende Juni 2026 169.141 junge Menschen angeschrieben und aufgefordert, online einen Fragebogen über ihr Interesse an der Bundeswehr auszufüllen.
Für die 86.962 Männer besteht eine Pflicht zur Beantwortung, während die 82.179 Frauen die Fragen freiwillig beantworten können.Geringes tatsächliches InteresseIm zweiten Quartal haben 83.483 Männer und etwas mehr als 3.000 Frauen den Fragebogen vollständig online ausgefüllt. In der Tabelle über die verschiedenen Werte auf einer Skala zwischen 1 und 10 tauchen jedoch nur rund 30.600 Antworten auf. Daraus lässt sich ableiten, dass mehr als 55.000 Männer und Frauen – also die überwiegende Mehrheit derjenigen, die den Fragebogen ausgefüllt haben – angegeben haben, kein Interesse daran zu haben, zur Bundeswehr zu gehen.
Die Zahlen zum neuen Wehrdienst der Bundeswehr fallen deutlich ernüchternd aus. Wenn im zweiten Quartal 2026 gut 31 Prozent der untersuchten Freiwilligen als wehrdienstunfähig eingestuft werden, zeigt das einen klaren Befund zur körperlichen Verfassung vieler junger Menschen in Deutschland. Zugleich macht die Statistik sichtbar, dass das Interesse am Dienst in den Streitkräften trotz breiter Anschreiben offenbar begrenzt ist.Hintergrund des neuen WehrdienstesDer neue Wehrdienst ist Teil der Bemühungen, die personelle Basis der Bundeswehr zu verbreitern und junge Menschen wieder systematisch für den Dienst in den Streitkräften zu gewinnen. Er knüpft an die frühere Wehrpflicht an, setzt aber stärker auf Freiwilligkeit: Männer werden zur Rückmeldung aufgefordert, Frauen können sich freiwillig melden.
Die jetzt bekannt gewordenen Daten stammen aus einer Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an das Verteidigungsministerium und geben damit einen selten so detaillierten Einblick in die ersten Monate des neuen Verfahrens.Körperliche Tauglichkeit und gesellschaftliche TrendsDass fast jeder dritte Interessent am Ende ausgemustert wird, deutet auf eine breite Schnittmenge mit bekannten gesundheitlichen Trends bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hin, etwa Bewegungsmangel und Übergewicht. Für die Bundeswehr bedeutet das, dass sie aus einer ohnehin begrenzten Zahl ernsthaft Interessierter noch einmal einen erheblichen Anteil aus medizinischen Gründen nicht berücksichtigen kann. Dies erhöht den Druck, sowohl die Rekrutierung als auch die Gesundheitsförderung in der Breite der Gesellschaft stärker in den Blick zu nehmen.Begrenztes Interesse an der TruppeDie Antwortquote auf die Anschreiben verdeutlicht zudem eine Distanz vieler junger Menschen zur Bundeswehr. Trotz hunderttausender angeschriebener Personen füllten im zweiten Quartal nur rund 83.500 Männer und etwas mehr als 3.000 Frauen den Fragebogen vollständig aus. Noch geringer ist die Zahl derjenigen, die auf einer Interessensskala überhaupt einen positiven Wert angeben.
Für die Truppe stellt sich damit die strategische Aufgabe, ihre Rolle und Angebote so zu vermitteln, dass sie als attraktive Option in einer vielfältigen Arbeitswelt wahrgenommen wird.