Bundespräsidentenwahl: Grüne kritisieren Merz wegen Kandidatensuche
heute 14:34 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die Grünen werfen Friedrich Merz vor, die Suche nach einer Unionskandidatin für das Amt des Bundespräsidenten unnötig öffentlich und zögerlich zu führen. Gleichzeitig wächst der Druck zugunsten der CSU-Politikerin Ilse Aigner, während eine offizielle Nominierung weiter aussteht.
via dts Nachrichtenagentur
Grüne erhöhen Druck auf Friedrich MerzGrünenfraktionschefin Britta Haßelmann kritisiert die zögerliche Suche der Union nach einer Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl im kommenden Januar. Mit jedem weiteren Tag werde der Vorgang um die Benennung einer Bundespräsidentschafts-Kandidatin unwürdiger, sagte sie dem „Spiegel“.Haßelmann beanstandet offenes VerfahrenHaßelmann sagte, offenbar habe Friedrich Merz keine Kontrolle über den Prozess. Sie bezog sich damit darauf, dass Merz zwar öffentlich festgelegt hat, die Union werde eine Frau nominieren, aber weiterhin keinen Namen nennt.Die Grünenpolitikerin kritisierte, die Union trage ihren Findungsprozess öffentlich aus, statt sich zunächst zu verständigen und bei anderen demokratischen Kräften um breite Unterstützung zu werben.Ilse Aigner erhält RückhaltMehrere führende CDU-Politiker haben zuletzt die CSU-Politikerin und bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner gelobt. Aigner sagte der „Zeit“, sie wünsche sich parteiübergreifenden Rückhalt, auch von den Grünen.Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als mögliche Kandidatin ins Gespräch gebracht. Zuvor galt sie als mögliche innerparteiliche Konkurrentin Söders im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl 2028.Bundesversammlung entscheidet im JanuarDie Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
Sie besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden.Wahlvorschläge kann jedes Mitglied der Bundesversammlung schriftlich bei der Präsidentin des Bundestages einreichen.
Die Union wird die meisten Mitglieder stellen und könnte beispielsweise gemeinsam mit der SPD eine Mehrheit bilden; eine offizielle Nominierung liegt bislang nicht vor.
Die Bundespräsidentenwahl am 30. Januar 2027 rückt in eine Phase, in der die personelle Entscheidung der Union zunehmend mit der Frage nach parteiübergreifender Zustimmung verbunden ist. Friedrich Merz hat sich nach der dts-Meldung auf eine Frau als Unionskandidatin festgelegt, einen Namen aber weiterhin nicht genannt. Damit bleibt offen, ob die Union auf eine bereits öffentlich gehandelte Persönlichkeit wie Ilse Aigner setzt oder eine andere Kandidatin auswählt.Für die Grünen ist das Verfahren nicht nur eine innerparteiliche Personalfrage. Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt; neben den Bundestagsabgeordneten gehören ihr ebenso viele von den Landesparlamenten bestimmte Mitglieder an. Die Union wird dort die stärkste politische Gruppe stellen, benötigt für eine verlässliche Mehrheit aber voraussichtlich Unterstützung aus anderen Parteien.Parteiübergreifender Rückhalt im MittelpunktAktuelle Debatten zeigen, dass Aigner in Teilen der Union und darüber hinaus Unterstützung erhält. Zugleich wird eine stärkere Einbindung der Grünen und der SPD gefordert. Aigner selbst hat parteiübergreifenden Rückhalt als wünschenswert bezeichnet.
Für die Union erhöht das den politischen Nutzen einer frühen Verständigung, aber auch den Druck, eine Persönlichkeit mit breiter Akzeptanz vorzuschlagen.Die öffentliche Suche birgt daher zwei Risiken: Sie kann innerunionale Konkurrenz sichtbar machen und zugleich mögliche Kooperationspartner vor vollendete Tatsachen stellen.
Eine baldige Entscheidung würde den Parteien mehr Zeit geben, die Mehrheitsfähigkeit der Kandidatin zu prüfen und die Wahl in der Bundesversammlung politisch vorzubereiten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenSWR: „Friedrich Merz unter Druck: Auch CDU-Fraktion in BW spricht sich für Ilse Aigner als Bundespräsidentin aus“ (04.11.2026)Der Beitrag berichtet über die Unterstützung der baden-württembergischen CDU-Landtagsfraktion für Ilse Aigner. Damit setzt er einen konkreten Schwerpunkt auf den innerunionellen Druck zugunsten der CSU-Politikerin und ergänzt die Kritik am weiterhin offenen Auswahlverfahren.Stern: „Rätselraten um CDU-Vorschlag für Bundespräsidentin hält an“ (03.11.2026)Der Artikel stellt das anhaltende Ausbleiben eines Namens in den Mittelpunkt und greift zugleich Haßelmanns Forderung nach einer Frau an der Staatsspitze auf. Gemeinsam ist beiden Beiträgen die offene Kandidatenfrage; unterschiedlich akzentuiert der SWR vor allem die Unterstützung für Aigner, während der Stern stärker das Verfahren beschreibt.Übereinstimmung besteht damit beim fehlenden offiziellen Unionsvorschlag und beim wachsenden öffentlichen Druck. Offen bleibt, welche Kandidatin die Union benennt und ob sie den angestrebten parteiübergreifenden Rückhalt erhält.